"Ilsebill salzte nach." Teil 1

Der schönste erste Satz?

Nach dem schönsten deutschen Wort wurde die letzten Monate nach dem schönsten ersten Satz der deutschsprachigen Literatur gesucht. Mehr als 17.000 Menschen aus über 60 Ländern haben sich mit ihren Vorschlägen und Begründungen an dem Wettbewerb beteiligt. Am meisten Einsendungen gab es für den ersten Satz von Franz Kafkas „Verwandlung“.

Die Jury

Aber „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt“ landete nur auf dem zweiten Platz – so wollte es die Jury. Diese betonte übrigens, dass jeder Leser selbst entscheidet, was schön ist. Wenn das so ist, drängt sich natürlich die Frage auf, wozu dann eine Jury nötig ist und man nicht einfach eine Abstimmung online stellt – der Vorschlag mit den meisten Stimmen gewinnt.

„Der Butt“ von Günther Grass

„Ilsebill salzte nach“ ist nett. Es ist anders. Es ist kreativ. Es ist banal – spontan fallen mir ein Dutzend ähnlicher Sätze ein und vielleicht hätte z. B. „Ilsebill pfefferte nach“ sogar mehr Pfiff. (Mit dem ersten Satz aus Kafkas Verwandlung funktioniert das nicht so einfach.) Der Gewinner des Wettbewerbs, Lukas Mayrhofer aus Wien, begründet seine Wahl u. a. damit, dass der Roman in der Folge eine „Weltgeschichte“ aufbaue – „Ilsebill salzte nach“ ist demnach der Auftakt zu einer Weltgeschichte. Aber ist dieser Satz der schönste erste Satz der deutschsprachigen Literatur? Oder – provokativ gefragt – möchte die Jury Günther Grass, der im letzten Jahr die Lorbeeren früherer Jahre vermisst haben mag, wieder versöhnen?

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