Mythos und Sprache

Die neue Reihe im Wunderland Deutsch 

Mit dem März-Artikel endete die zwölfteilige Reihe des Wunderlandes Deutsch über die deutschen Monatsnamen und deren Herkunft und Vorfahren.

Aus diesem Grund wird eine neue Rubrik ins Leben gerufen: „Mythos und Sprache“.

Sie widmet sich den Wörtern und Redewendungen, die die Zeit überdauerten und ihren Weg aus der antiken Mythologie in unseren modernen Sprachgebrauch fanden.

Mit „Achillesferse“, „Argusaugen“, „Sirenen“ und „Fass ohne Boden“ seien nur einige wenige erwähnt - genaueres folgt in den einzelnen Artikeln.

Kategorien:   Wortschätze | Mythos und Sprache
Tags:   , , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (2)

März

Der Monat des Kriegsgottes

Unser dritter Monat ist dem römischen Kriegsgott Mars geweiht und ist vom lat. (mensis) Martius entlehnt. Im altrömischen Kalender war der März ursprünglich der erste Monat, woraus sich auch die Namen der Monate September (lat. septem = sieben) bis Dezember (lat. decem = zehn) ableiten.

Die lateinische Bezeichnung des dritten Monats löste die alten deutschen Namen Lenzing bzw. Lenzmond ab. Das Wort „Lenz“ steht in enger verwandtschaftlicher Beziehung zum Adjektiv „lang“ und nimmt damit auf die länger werdenden Tage Bezug.

 

Kategorien:   Wortschätze
Tags:   , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (1)

Februar

Monat der Reinigung

Der Name des kürzesten Monats des Jahres stammt von lat. (mensis) Februarius (lat. „februare“ = „reinigen“). Der Name „Reinigungsmonat“ erklärt sich durch die Sühne- und Reinigungsriten, die die Römer in diesem Monat durchführten (nach dem altrömischen Kalender war der Februar der letzte Monat des Jahres).  

Unser Name für den zweiten Monat trat ab dem 15. Jahrhundert als Konkurrenz zum deutschen Namen „Hornung“ auf, der heute noch in einigen Gebieten verwendet wird. Wahrscheinlich stammt der Name von einer Abstraktbildung zu „Horn“ und ist wohl als Sammlung von Geweih- und Gehörnstangen zu verstehen, die das Rotwild im Februar abwirft.

 

Kategorien:   Wortschätze
Tags:   , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (0)

Januar / Jänner

Der Monat mit zwei Gesichtern

 

Das neue Jahr hat begonnen und mit ihm ein etymologisch sehr interessanter Monat: der Januar bzw. Jänner (letzterer Name ist im süddeutschen Raum gebräuchlich). Der Januar bekam seinen Namen, nachdem der Jahresanfang um zwei Monate vorverlegt worden war (vor der Kalenderreform hatte das Jahr am 1. März begonnen). Der ideale Namensgeber schien den Römern der zweigesichtige Gott Janus zu sein, der Gott der Türen, des Ein- und Ausgangs, übertragen des Anfangs und des Endes. Der Name steht also für das Ende des alten und den Anfang des neuen Jahres: ein Gesicht des Gottes Janus blickt in das alte und das andere in das neue Jahr.

„Januar“ ist entlehnt von lat. „(mensis) Ianuarius“ und bis ins 18. Jahrhundert war der Name samt der lateinischen Endung gebräuchlich. Erst ab der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte sich der endungslose Monatsname durch.

Alte deutsche Bezeichnungen für den ersten Monat des Jahres sind Wintermonat, Hartung, Schneemonat, Wolfsmonat und Eismonat.

Kategorien:   Wortschätze
Tags:   , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (0)

... die Flammenschrift an der Wand ...

Menetekel – Vorzeichen drohenden Unheils 

„Ein Menetekel aufrichten“ – eine unheilsträchtige Redensart, die Blut gefrieren lässt und kalte Schauer über den Rücken jagt: Als Menetekel wird eine unheilverkündende Warnung, ein Mahnruf, bezeichnet.  

König Belsazar 

Die Herkunft des Wortes begründet seinen unheimlichen Charakter. Es stammt aus dem Buch Daniel des Alten Testaments, in dem ein Gastmahl des babylonischen Königs Belsazar geschildert wird. Während des Gelages erscheint eine geisterhafte Schrift auf einer Wand des Festsaales: „mene, mene tequel ufarsin“. Der König lässt seine Schriftgelehrten holen, die den Text aber nicht übersetzen können. Erst der Prophet Daniel deutet den Text als Zeichen des nahenden Unterganges des babylonischen Reiches: „Er (Gott) hat (dein Reich) gezählt ... gewogen ... zerteilt.“ In derselben Nacht wird Belsazar ermordet und das Reich den Medern und Persern übergeben. 

Heinrich Heines „Belsazar“ 

Heinrich Heine widmet dieser Begebenheit im alten Babylon seine Ballade „Belsazar“. Hier der Auszug, in dem das Menetekel an der Wand erscheint: 

„Das gellende Lachen verstummte zumal;
Es wurde leichenstill im Saal.
Und sieh! Und sieh! An weißer Wand
Da kam’s hervor wie Menschenhand;
Und schrieb, und schrieb an weißer Wand
Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.
...
Die Magier kamen, doch keiner verstand
zu deuten die Flammenschrift an der Wand.
Belsazar ward aber in selbiger Nacht
Von seinen Knechten umgebracht."

Kategorien:   Literarisches | Wortschätze
Tags:   , , , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (0)

Dezember

Der vierte absurde Monatsname 

Ebenso wie die drei vorangehenden Monatsnamen stellt der Name unseres zwölften Monats eine kleine Absurdität dar: Wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt („mensis december“) bedeutet „Dezember“ „der zehnte Monat“.

Für diese Bezeichnung gab man zahlreiche treffendere Namen auf: Im Althochdeutschen war „heiligmanod“ („Heiligmonat“) gebräuchlich, das im 15. Jahrhundert durch „Christmonat“ (Bezug nehmend auf das Christfest (Weihnachten)) verdrängt wurde. Andere ältere Bezeichnungen für den heutigen Dezember waren „Winter-, Hart-, Schlacht-, oder Wolfmonat“.

 

Kategorien:   Wortschätze
Tags:   , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (1)

November

Warum unser 11. Monat „neunter Monat“ heißt 

Wie schon die Monatsnamen „September“ und „Oktober“ hat der Name unseres elfen Monats das Potenzial, Verwirrung zu stiften. Denn obwohl er den elften Monat bezeichnet, heißt er „November“, was aus einer Ableitung von lat. „novem“ – neun – hervorgegangen ist. Demnach heißt unser elfter Monat also „neunter Monat“. Das hängt – wie bereits bei den anderen beiden Monatsnamen erwähnt – mit der römischen Kalenderreform zusammen, die kurzerhand den Jahresbeginn um zwei Monate vorverlegte. 

Alles in allem hätte man sich im 10. Jahrhundert wohl besser überlegen sollen, ob man den schönen Namen „Herbstmonat“ gegen „November“ eintauscht.

Kategorien:   Wortschätze
Tags:   , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (0)

Oktober

Er hätte auch „Domitianus“ heißen können … 

Da der Oktober im altrömischen Kalender der achte Monat war, blieb der Name (lat. „octo“ = „acht“) auch nach der Kalenderreform für den nunmehrigen zehnten Monat erhalten. Für kurze Zeit benannte der Kaiser Domitian den zehnten Monat in „Domitianus“ um, was sich zum Glück nicht durchsetzte.

Im Althochdeutschen hieß der Monat „windumemanoth“, „Weinlesemonat“, was auf den Beginn der Weinlese hinweist. Ein anderer deutscher Name war „Gilbhart“, mit dem das Vergilben des Laubes gemeint war.

Andere Namen für den zehnten Monat: Weinlesemonat, Weinmonat, Dachsmonat

 

Kategorien:   Wortschätze
Tags:   , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (2)

September

Kaiser Tiberius sei Dank! 

Als der römische Senat dem Nachfolger von Augustus, Kaiser Tiberius, anbot, ihm wie zuvor Cäsar und Augustus einen Monat im Jahr zu widmen, lehnte dieser dankend mit der Frage ab, was dann mit dem 13. Cäsar sei. Seine Nachfolger teilten seine Bescheidenheit nicht und so erlebte der Monat während der römischen Kaiserzeit Umbenennungen in „Germanicus“, „Antoninus“, „Tacitus“ und „Herculeus“, die sich allesamt nicht als besonders beständig herausstellten.

 

Deshalb heißt unser neunter Monat „September“, was von lat. „septem“ = „sieben“ stammt und somit eine sprachliche Kuriosität darstellt (genauso wie die bis zum Jahresende folgenden Monate). Die Erklärung liegt in der Kalenderreform von 153 v. Chr., als der Jahresbeginn um zwei Monate vorverlegt wurde.

Der Begriff „September“ verdrängte im Laufe der Zeit die im deutschsprachigen Raum üblichen Monatsnamen „Holzmonat“ (ahd. „witumanot“) und „Herbstmonat“ (mhd. „herbistmanot“). 

Andere Namen für den neunten Monat: Scheiding, Herbstmond, Herbsting, Holzmonat, Engelmonat

Kategorien:   Wortschätze
Tags:   , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (0)

August

Ein Monatsname für den Kaiser  

Ursprünglich war der August im römischen Kalender der sechste Monat des Jahres und hieß dementsprechend „Sextilis“ (lat. sex = sechs). Zu Ehren von Kaiser Oktavian, dessen Beiname Augustus war, wurde der Monatsname geändert und hieß fortan „August“. „Augustus“ kann als „der Heilige“, „der Erhabene“, „der Erlauchte“ übersetzt werden.

Es gibt zwar den ahd. Ausdruck „ougusto“ und das mhd. Wort „ougest“, durchgesetzt hat sich „August“ gegen den deutschen Begriff „Erntemonat“ aber erst im 16. Jahrhundert. Andere Namen für den achten Monat: Erntemonat, Ährenmonat, Sichelmonat, Ernting

Kategorien:   Wortschätze
Tags:   , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (0)