König Fußball und seine Wortschätze

Der Beitrag des Wunderlands zur Euro 2008  

Die Fußball-Europameisterschaft ist seit Monaten allgegenwärtig, vor allem in Österreich und in der Schweiz. Das Wunderland Deutsch kümmert sich nicht so sehr um die sportlichen, sondern eher um die sprachlichen Aspekte dieses Großereignisses und präsentiert eine Zusammenstellung der Redensarten rund um das „Objekt der Begierde“, den Ball. 

  • am Ball sein (aktiv sein; Einfluss gewinnen)
  • den Ball zurückspielen (schlagfertig sein)
  • den Ball abgeben (Verantwortung/Amt ablegen)
  • den Ball an jemanden weiterspielen (jdn. zu einer Stellungnahme auffordern)
  • den Ball aufnehmen (das Wort ergreifen; einen Gedanken weiterführen)
  • den Ball flach halten (unnötiges Risiko vermeiden)
  • den Ball hin- und herschieben (sich vor Verantwortung drücken)
  • den Ball im Spiel halten (sich nicht ablenken lassen)
  • jdm. den Ball auflegen (jdm. die Möglichkeit bieten, ans Wort zu kommen)
  • sich gegenseitig die Bälle zuspielen (einander zu Vorteilen verhelfen)

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... wenn ein Goethe-Denkmal durch die Bäume schillert

Fragen mit Sprachwitz 

„Können Glatzköpfe auch mal eine Glückssträhne haben?“ „Aus welchem Material ist eine Holz-Eisenbahn?“ – Solche und ähnliche Fragen beschäftigen zwar nicht die Welt, erfreuen uns jedoch ob ihres Sprachwitzes ungemein. Mit Dank an Christine hier einige weitere vor Sprachwitz sprühende Fragen. 

  • Ist es bedenklich, wenn im Park ein Goethe-Denkmal durch die Bäume schillert?
  • Beantwortet die große Kerze die Frage der kleinen Kerze, ob Durchzug gefährlich sei, mit den Worten: 'Davon kannst du ausgehen'?
  • Warum gibt es kein anderes Wort für Synonym?
  • Was passiert, wenn man sich zweimal halbtot gelacht hat?
  • Macht man den Meeresspiegel kaputt, wenn man in See sticht?
  • Was machen die Fahrer von Automatikwagen in einem Schaltjahr?
  • Können sich Eltern, die sich mit ihrer Tochter verkracht haben, überhaupt irgendwann mit ihr aussöhnen?
  • Heißen Teigwaren Teigwaren, weil sie vorher Teig waren?
  • Macht vier plus vier sieben wenn man nicht acht gibt?
  • Können Stammgäste überhaupt auf einen grünen Zweig kommen?
  • Kommen kleine Leute nach einer Steuererhöhung eigentlich noch an ihr Lenkrad?
  • Könnte man sich nicht das Verbandszeug sparen, wenn man sich das Knie gleich an Pflastersteinen aufschlägt?
  • Ist ein Keks, der unter einem Baum liegt, nicht ein wunderbar schattiges Plätzchen?
  • Wenn ein Schäfer seine Schafe verhaut, ist er dann ein Mähdrescher?
  • Kann man sich den Arztbesuch sparen, wenn man schon in der Telefonzentrale verbunden wird?
  • Darf man in einem Weinkeller auch mal lachen?
 

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Blumige Redensarten

Herzliche Valentinstagsgrüße!   

Wenn Blumen Hochsaison haben, soll dies als Anlass dienen, sich auch ihre sprachlichen Funktionen in Erinnerung zu rufen.  

Das Wunderland Deutsch entbietet Ihnen zum Valentinstag herzliche Grüße und die folgenden blumigen Redensarten.

  • etwas durch die Blume sagen: jemandem etwas (meist etwas Negatives) vorsichtig zu verstehen geben
  • etwas verblümt sagen: jemandem etwas durch Anspielungen zu verstehen geben (Gegenteil: etwas unverblümt sagen: jemandem die Wahrheit ohne Umschweife ins Gesicht sagen)
  • wie eine Blume auf dem Mist stehen: jemand ist fehl am Platz, passt nicht in seine Umgebung
  • von einer Blume (oder Blüte) zur anderen flattern wie ein Schmetterling: Beschreibung einer Person mit vielen Affären
  • aus jeder Blume Honig saugen wollen: überall seinen Vorteil suchen
  • eine Blume, die im Dunkeln blüht: Sinnbild für Verborgenheit und Bescheidenheit
  • jede Blume verliert zuletzt ihren Duft: alles Schöne vergeht

 Tipp: Wer vergessen hat, Blumen zu besorgen, kann sich vielleicht mit einem Strauß gebundener Redensarten behelfen!

 

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Beschwer’ dich doch am Salzamt!

Tipps zum leichteren Umgang mit Beschwerden  

 

Können Sie nicht einschlafen? Vergeht die Zeit nicht schnell genug? Hat Ihnen jemand Ihr Lieblingsjoghurt aus dem Kühlschrank entführt? War eine Nussschale im selbst zubereiteten Müsli? Kam Ihr Bus wieder mal zu spät? Gibt es zu viel oder zu wenig Schnee für Ihren Geschmack? Sind Sie mit ihrer Regierung unzufrieden? Dann beschweren Sie sich einfach am Salzamt!!!  

Historische Herkunft der Redewendung

 

Salzämter waren im Mittelalter und bis in die Neuzeit wichtige Behörden, die den Salzabbau und den Handel mit Salz überwachten. Im 19. Jahrhundert wurden die Salzämter aufgelöst und stellen nun ein äußerst praktisches sprachliches Relikt dar.

Das Salzamt steht also für eine nicht (mehr) existierende Behörde und demnach werden Beschwerden, die man an das Salzamt richtet, ungehört und ohne Konsequenzen verhallen. 

 

Tipps zur richtigen Anwendung

 

Richtig verwendet kann die Redewendung das Leben im Allgemeinen und den Umgang mit Beschwerden im Speziellen erleichtern. Eine durchaus brauchbare Anwendung wäre beispielsweise ein automatischer Filter für Beschwerde-E-Mails, der selbständig Antworten erstellt (z.B. „Vielen Dank für Ihre Anregungen. Ihre E-Mail wird sofort an das Salzamt weitergeleitet.“) und die E-Mails anschließend löscht.

  

Über Vorschläge für weitere Tipps zur richtigen Anwendung oder Beispiele für die Verwendung der Salzamts-Redewendung freue ich mich sehr. Außerdem können Sie sich im Rahmen der Wunderland-Kommentar-Funktion über einfach alles beschweren, was Sie dem Salzamt schon immer mal sagen wollten!

 

Besten Dank an Yvonne aus Singapur, die diesen Artikel angeregt hat!

 

 

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Gleich spielt's Granada!

Von Sprachirrtümern und Enttäuschungen 

Die österreichische Redewendung „Gleich spielt’s Granada!“ in der Bedeutung „das wird Konsequenzen haben“ bzw. als Ankündigung einer handfesten Auseinandersetzung ist faszinierend, weil man unwillkürlich an das Ende der Reconquista von 1492 denkt, als die Stadt Granada den katholischen Königen zurückgegeben wurde. 

Etymologische Recherchen

Nach erfolglosen Recherchen nach der tatsächlichen Herkunft der Redewendung in diversen etymologischen Lexika und Nachschlagewerken für sprichwörtliche Redewendungen ist es zwei Forumsteilnehmern zu verdanken, dass das Rätsel gelöst werden konnte. Vielen Dank! 

Eine herbe Enttäuschung

Was im empfohlenen Buch „Lexikon der Sprachirrtümer Österreichs“ (toll ;-)) stand, war enttäuschend. Die Redewendung hat weder mit der südspanischen Stadt noch mit dem oben erwähnten historischen Ereignis etwas zu tun. Stattdessen stammt der Ausdruck aus der Soldatensprache und versinnbildlicht die Angst der Soldaten vor einem Granatenhagel. (Kann man sich einen banaleren Ursprung vorstellen?) Gebräuchlich wurde die Redewendung, nachdem Augustin Laras Lied „Granada“ (1935) ein Welterfolg wurde. 

Buchtipp: Sigmar Grüner / Robert Sedlaczek:  „Lexikon der Sprachirrtümer Österreichs“ 

 

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