Berge, die sich nicht mit Gold aufwiegen lassen

Die Farben des Wunderlandes: Gold 

Nach oben
Nach Golde drängt,
am Golde hängt doch alles.
Ach wir Armen.
(J. W. v. Goethe: "Faust")
               

Die Farbe Gold steht symbolisch für das Beste, für eine Spitzenleistung.Wegen seiner Seltenheit und seines „Sonnenglanzes“ war Gold schon früh das Metall der Götter und Könige. Seine Besonderheit wird durch folgende Begriffe auch sprachlich belegt: 

  • Goldenes Zeitalter
  • Goldenes Tor
  • Goldener Apfel
  • Goldene Hochzeit
  • Goldenes Kalb
  • Goldener Schnitt
  • Goldenes Buch
  • Goldene Mitte

Daneben gibt es im Deutschen auch noch eine Reihe von idiomatischen Wendungen, die dem Gold gewidmet sind:

  • es ist nicht alles Gold, was glänzt
  • treu wie Gold sein
  • um das goldene Kalb tanzen
  • Morgenstund hat Gold im Mund
  • jemandem eine goldene Brücke bauen
  • jemandem goldene Berge versprechen       
  • etwas lässt sich nicht mit Gold aufwiegen
  • jedes Wort auf die Goldwaage legen
  • Gold in der Kehle haben

 
Kategorien:   Die Farben des Wunderlandes | Literarisches | Wortschätze
Tags:   , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (0)

Höllenqualen im Tartaros

Die ewigen Strafen

Der Tartaros ist der unheimlichste, finsterste, quälendste Ort des Hades, der griechischen Unterwelt. Wer gegen die Götter frevelte, musste nach seinem Tod (der meist unmittelbar nach dem Frevel eintrat) für alle Ewigkeiten ohne Hoffnung auf Erlösung im Tartaros leiden.

Aus dem Tartaros kennen wir drei Strafen, die in unseren Sprachgebrauch übernommen wurden:

1. Tantalosqualen: Wer Tantalosqualen erduldet, muss schreckliche Schmerzen (oder schreckliche Angst) ausstehen oder wird von ungestillter Begierde gepeinigt. Der mythische Tantalos muss als Strafe für seine Frevel bis zum Kinn im Wasser stehen. Sobald er seinen Kopf zum Trinken neigt, zieht sich das Wasser zurück. Gleich verhält es sich mit den Zweigen voll mit Früchten, die entweichen, sobald er nach ihnen greift. So leidet er schlimmste Qualen durch Hunger und Durst, obwohl die Erlösung so nahe wäre.

2. Sisyphosarbeit: Wer mit einer Sisyphosarbeit beschäftigt ist, hat eine besonders schwere, qualvolle Arbeit zu erledigen, die zur Erfolglosigkeit verdammt scheint und niemals zu einem Abschluss gebracht werden kann: man wälzt den Stein des Sisyphos.

Sisyphos muss laut griechischer und römischer Überlieferung als Strafe für seine Schlechtigkeit einen großen Stein einen hohen Berg hinaufrollen, der kurz vor Erreichen des Zieles wieder in die Tiefe rollt, so dass er von vorne beginnen muss.

3. Das sprichwörtliche Fass ohne Boden stellt ebenfalls eine Strafe im Tartaros dar. Wir meinen damit (meist) eine Person, der man immer wieder etwas geben muss: es ist ein vergebliches Tun, das „Fass“ füllen zu wollen, denn es nimmt alles in sich auf, ohne dass man einen Erfolg erkennt. In der griechischen Mythologie müssen die Danaiden, die Töchter des Danaos, die ihre Ehemänner in der Hochzeitsnacht ermordeten, bis in alle Ewigkeit Wasser in ein durchlöchertes Fass schöpfen. Von hier stammen auch die Redewendung „eine Danaidenarbeit verrichten“, „ins Danaidenfass schöpfen“, „das Wasser der Danaiden füllen wollen“ und „Wasser in ein Sieb schöpfen“.

Am Rande

Die Römer nannten die Hunnen „Tartaren“ – sie schienen ihnen wohl so furchterregend als wären sie der Hölle entsprungen.

Kategorien:   Mythos und Sprache
Tags:   , , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (0)

"Grau, teurer Freund, ist alle Theorie ..."

Die Farben des Wunderlandes: Grau 

"Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und Grün des Lebens goldner Baum." Mephisto in Goethes Faust 

Die graue Farbe ist ein „Zwischenton“ und steht zwischen Weiß und Schwarz, was sich sprachlich in folgenden Ausdrücken manifestierte:

  • Grauzone: Undefiniertes befindet sich in der Grauzone; es ist weder gut (weiß) noch schlecht (schwarz)
  • Graubrot: Mischbrot aus weißem Weizen- und „schwarzem“ Roggenmehl
  • Morgengrauen: Dämmerung; Übergang zwischen der dunklen Nacht und dem hellen Tag (ein Abendgrauen dagegen gibt es nicht!)
  • Graue Literatur: Literatur, die nicht über den Buchhandel vertrieben wird.

Zudem gilt Grau als langweilig und als Synonym für Eintönigkeit und trübe Stimmung. In Wendungen wie „grauer Alltag“ oder „alles grau in grau sehen“ ist der Gegensatz des Grau zu bunten Farben genutzt.  Im Folgenden eine Reihe von idiomatischen Wendungen, die sich mit der grauen Farbe auseinandersetzen: 

  • etwas liegt noch in grauer Zukunft
  • etwas liegt in grauer Vergangenheit
  • die graue Vorzeit
  • eine graue Maus sein
  • bei Nacht sind alle Katzen grau
  • sich wegen etwas keine grauen Haare wachsen lassen
  • in Ehren grau geworden sein
  • alles grau in grau sehen/malen
  • der graue Alltag  
  • das graue Elend haben
  • jemandem graut es vor etwas

 
Kategorien:   Die Farben des Wunderlandes
Tags:   , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (0)

Grün ist in allem mein Sinn ...

Die Farben des Wunderlandes: Grün

Das Ergrünen (im Frühling) wird mit der Farbe Grün verbunden. Im Mittelalter stand sie als Symbol für eine beginnende Liebe.

So entstanden zwei Redewendungen: zum einen  die grüne Seite und und zum anderen – als   Verneinung – jemandem nicht grün sein.

Hier einige weitere idiomatische Wendungen zur grünen Farbe: 

  • sich grün und gelb/blau ärgern
  • auf keinen grünen Zweig kommen
  • noch grün hinter den Ohren sein
  • etwas über den grünen Klee loben
  • einen grünen Daumen haben
  • grünes Licht geben od. haben

Mittelalterliches Minnelied

Und nicht zuletzt ein Minnelied aus dem Mittelalter:  

Grün ist in allem mein Sinn
ist der lieb ein anfing.
Grün soltn allezeit haben wert,
ob dein Herz dir lieb begehrt,
Grün ist gar ein fröhlich klait,
Wer es nach seinen wirden trait.
Grün soll niemand tragen,
der in lieb will verzagen.

Kategorien:   Die Farben des Wunderlandes | Wortschätze
Tags:   , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (0)

Wahl zwischen Skylla und Charybdis

Die Odyssee in der Sprache des 21. Jahrhunderts  

Nach dem Ende des trojanischen Krieges fuhren die siegreichen griechischen Helden in die Heimat zurück. Die meisten erreichten ihr Ziel bald, aber Odysseus hatte eine lange Reise vor sich – eine Odyssee im wahrsten Sinn des Wortes.

Der Begriff „Odyssee“ wurde im 19. Jahrhundert in seiner ursprünglichen Bedeutung einer „langen und abenteuerlichen Irrfahrt“ übernommen und noch heute verwendet. Odysseus‘ Irrfahrt dauerte zehn Jahre. Acht davon verbrachte er in den Grotten von Zauberinnen und Nymphen und während der beiden anderen Jahre bestand er so manch gefährliches Abenteuer. Zwei davon haben ihre sprachlichen Spuren hinterlassen:

1. Sirenen:

Wir kennen Sirenen seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts als Alarm- und Signaleinrichtung mit an- und abschwellenden Tönen, die bei Gefahr ertönt und die Bevölkerung warnen soll. Das läuft der Herkunft des Wortes zuwider, denn es waren die Sirenen selbst, von denen in der griechischen Mythologie die Gefahr ausging. Die Sirenen waren Frauen mit Vogelleibern, die Seeleute durch ihren betörend schönen Gesang anlockten, um ihnen das Blut auszusaugen und sie so zu töten. Odysseus fuhr an ihrer Insel vorbei: an den Mast gefesselt hörte er ihren Gesang und überlebte, weil die Fesseln ihn daran hinderten, sich ihnen zu nähern.

2. Wahl zwischen Skylla und Charybdis:

Wer die Wahl zwischen Skylla und Charybdis hat, steht vor keiner erfreulichen und schon gar nicht vor einer leichten Entscheidung, denn beide Möglichkeiten bergen Ungeheuer: Skylla war in der griechischen Mythologie eine in ein Monster verwandelte Nymphe mit sechs Köpfen, einer dreifachen Reihe Zähne in jedem Maul und zwölf Füßen. Ihre Höhle befand sich gegenüber dem tödlichen Strudel der Charybdis, ebenfalls ein Ungeheuer, in der Meerenge von Messina.Wie man sieht, sind beide Alternativen äußerst abschreckend. Odysseus entschied sich übrigens bei der ersten Fahrt durch die Meerenge dafür, näher an Skylla vorbeizufahren und verlor viele seiner Gefährten. Weil er ein besonderer Pechvogel war, musste er ein zweites Mal die Meerenge passieren und lernte auch die zweite Alternative, Charybdis, kennen.

 

Kategorien:   Mythos und Sprache
Tags:   , , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (0)

Vom blauen Mond bis zum blauen Wunder

Die Farben des Wunderlandes: Blau    

Blau zählt zu den „kalten“ Farben und trotzdem steht sie in der Literatur und in der bildenden Kunst für Ferne und Sehnsucht. Im 19. Jahrhundert erlangte das Motiv der blauen Blume als Sinnbild der Suche nach Erfüllung große literarische Bedeutung und steht heute noch für den Inbegriff der Sehnsucht und der Liebe. Um ihre Wichtigkeit auch im Wunderland zu unterstreichen, soll ihr in Kürze ein eigener Artikel gewidmet werden. 

Der Begriff „blauer Mond“ (übrigens durchaus auch eine literarische Blüte der Astronomie!!!) steht für einen zweiten Vollmond innerhalb eines Monats und gilt im übertragenen Sinn als seltenes Ereignis. Zudem gibt es zahlreiche idiomatische Wendungen, die sich dieser Farbe bedienen: 

  • einmal blau machen
  • blauäugig sein
  • das Blaue vom Himmel herunter versprechen
  • sich grün und blau ärgern
  • blaues Blut in den Adern haben
  • ins Blaue fahren
  • blau sein
  • blauen Dunst vormachen
  • mit einem blauen Auge davonkommen
  • blauer Montag
  • die blaue Stunde (Dämmerstunde)
  • ins Blaue hinein gehen
  • ein blaues Wunder erleben

Und zu guter Letzt: Rainer Maria Rilke widmete der der blauen Farbe im folgenden Gedicht einige wahrhaft wunderbare Zeilen: 


Blaue Hortensie
 
So wie das letzte Grün in Farbentiegeln

sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln. 

Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau; 

Verwaschenes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.

 Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.

 

Kategorien:   Die Farben des Wunderlandes | Literarisches | Zitate
Tags:   , , , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (1)

Standesgemäße Todesarten

Wortspielereien zu den letzten Dingen 

Das Deutsche kennt unzählige bildhafte Ausdrücke zum Thema „sterben“. Im Folgenden findet sich eine Reihe von Wortspielereien, die sich mit den letzten Dingen verschiedener Berufsgruppen beschäftigen. Viel Spaß dabei!  

  1. Der Gärtner beißt ins Gras.
  2. Der Kellner gibt den Löffel ab.
  3. Der Turner verreckt.
  4. Den Elektriker trifft der Schlag.
  5. Der Schaffner liegt in den letzten Zügen.
  6. Der Zahnarzt hinterlässt eine schmerzliche Lücke.
  7. Der Gemüsehändler schaut sich die Radieschen von unten an.
  8. Der Fechter springt über die Klinge.
  9. Die Putzfrau kehrt nie wieder.
  10. Der Anwalt steht vor dem Jüngsten Gericht.
  11. Der Autohändler kommt unter die Räder.
  12. Der Förster geht in die ewigen Jagdgründe ein.
  13. Der Rabbi geht über den Jordan.
  14. Der Optiker schließt für immer die Augen.
  15. Der Eremit wird heimgerufen.
  16. Der Tenor hört die Englein singen.
  17. Der Marathonläufer wird mit den Füßen zuerst herausgetragen.

 

Kategorien:   Wortschätze | Wunder der deutschen Sprache
Tags:   , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (4)

Als Paris den Zankapfel warf

Vom Beginn des trojanischen Krieges  

Der trojanische Krieg wurde durch die erste überlieferte Miss-Wahl der Menschheitsgeschichte ausgelöst, bei der zwei der drei Teilnehmerinnen richtig schlechte Verliererinnen waren und sowohl der Siegerin als auch dem einzigen Jury-Mitglied grollten. Beim einzigen Jury-Mitglied handelte es sich um den jungen trojanischen Prinzen Paris und bei seiner Entscheidung um das legendäre „Paris-Urteil“. Dieses Urteil, das in unseren Wortschatz aufgenommen worden ist, wurde wegen eines Zankapfels im eigentlichen Sinn des Wortes nötig.  

Heute gebrauchen wir den Ausdruck „der Zankapfel sein“ für einen Anlass zum Streit bzw. für den Gegenstand einer Auseinandersetzung. Im Mythos handelte es sich tatsächlich um einen Apfel: um einen goldenen Apfel mit der Aufschrift „Für die Schönste“, den Eris, die Göttin der Zwietracht, beleidigt unter die göttlichen Gäste einer Hochzeit warf, zu der sie (aus gutem Grund!) nicht eingeladen war. Die drei mächtigsten Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite zankten sich um den Apfel und so kam es, dass Paris urteilen und den Zankapfel werfen musste – nicht ahnend, welche verheerenden Folgen sein Urteil haben würde.  

Zwei interessante Details aus anderen Disziplinen:

  • Der größte bekannte Zwergplanet, der 2005 entdeckt wurde und einen Streit über Plutos Status eines Planeten auslöste, wurde passenderweise „Eris“ genannt.
  • Die Einbeere, lat. „Paris quadrifolia“, hat ihren Namen vom Paris-Urteil: ein Mensch (Paris), eine Blüte/eine Beere, wird von vier Gottheiten (Hermes, Hera, Athene, Aphrodite), von vier Blättern, umgeben.

Kategorien:   Mythos und Sprache | Wortschätze
Tags:   , , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (1)

Die Angst, die der Gott Pan hervorruft

Panischer Schrecken

„Panik“, „panischer Schrecken“, „in Panik geraten“, „jemanden in Panik versetzen“, „panische Angst“, „Panik erzeugen“ – all diese Redewendungen hängen mit dem griechischen Gott Pan, dem Erfinder der Panflöte, zusammen.

Das Substantiv „Panik“ wurde erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts von der französischen Bildung „panique“ entlehnt, das auf das lateinische „panicus“ und das griechische „panikòs(= dem Pan eigen, von Pan ausgehend) zurückgeht. „Panik“ bezeichnet eine plötzlich auftretende, oft grundlose Furcht, in die Menschen durchaus auch bewusst versetzt werden können.

Die Bedeutung kann wie das Wort selbst auf die antike Mythologie zurückgeführt werden: Der Gott Pan wurde stets als Walddämon mit Hörnern und Bocksfüßen dargestellt und beeinflusste damit die christlichen Teufelsvorstellungen. In der Antike hielt man seine plötzliche und unsichtbare Nähe für den Grund von unerklärlichem Fluchtverhalten bei Mensch und Tier. Zudem wird ihm nachgesagt, dass er nicht selten den Ausgang eines Krieges beeinflusste, indem er in Kriegslagern Panik auslöste.

 

Kategorien:   Mythos und Sprache | Wortschätze
Tags:   , , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (3)

Der trojanische Krieg im deutschen Wortschatz

Sind Sie Trojaner und haben Sie Griechen zu Besuch? – Hoffentlich nicht!   

Es gibt eine ganze Reihe von Wörtern und Redewendungen, die ihren Weg aus der antiken Mythologie in unseren modernen Wortschatz gefunden haben. Ausdrücke wie „Ödipuskomplex“, „Achillesferse“ oder „trojanisches Pferd“ sind die berühmtesten Vertreter aus dieser Gruppe. Letzteres wird in Bezug auf besonders tückische Computerviren häufig mit „Trojaner“ abgekürzt, was eine äußerst ungelungene Verkürzung darstellt: Die Trojaner waren schließlich die Leidtragendenden des Pferdes, in dem die Griechen bis zu den Zähnen bewaffnet saßen. Somit könnte man sich selbst als Trojaner bezeichnen, wenn man Opfer eines solchen Computervirus wird. Und wenn jener schon eine Abkürzung braucht, scheint wohl „Grieche“ am geeignetsten. Der trojanische Krieg führt uns auch schon zum nächsten gebräuchlichen Ausdruck, den die griechische Mythologie geprägt hat, zum Danaergeschenk.

Danaergeschenke 

„Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes“, ruft der Priester Laokoon, bevor Poseidons Schlangen ihn und seine Söhne töten: „Was es auch sei, ich fürchte die Danaer (= die Griechen), selbst wenn sie Geschenke bringen!“ Laokoon meinte mit dem Geschenk der Danaer das hölzerne Pferd, das die Griechen nach ihrem vermeintlichen Abzug vor den Mauern Trojas zurückgelassen hatten. Die Trojaner brachten das Pferd entgegen der Empfehlungen von Laokoon und der Königstochter Kassandra in die Stadt und besiegelten damit ihren Untergang.

Kassandrarufe   

Damit sind wir bei den Kassandrarufen angelangt. Kassandra spielt eine tragische Rolle im Mythos um den Fall der Stadt Troja. Sie war vom Gott Apollon in der Kunst der Weissagung geschult und später dazu verdammt worden, die Zukunft immer richtig zu prophezeien und doch nie Gehör zu finden und das kommende Unheil nicht abwenden zu können. Und genau diese Bedeutung haben die Kassandrarufe noch heute: sie meinen eine zutreffende, aber vergebliche Warnung vor drohender Gefahr.

 Wie der trojanische Krieg begann und welche sprachlichen Zeugen daraus die Zeit überdauerten, können Sie bald im Wunderland Deutsch nachlesen. 

Kategorien:   Mythos und Sprache | Wortschätze
Tags:   , , ,
Aktionen:   E-Mail | Permalink | Kommentare (3)