Internationaler Tag der Muttersprache

21. Februar 

Seit dem Jahr 2000 wird am 21. Februar der von der UNESCO ausgerufene Internationale Tag der Muttersprache begangen. Der jährliche Gedenktag wird vor allem dazu genutzt, auf Minderheitensprachen mit weniger als 10.000 Sprechern und auf aussterbende Sprachen aufmerksam zu machen.     

Hintergrund 

Den Hintergrund des Internationalen Tages der Muttersprache bildet das Jahr 1952, in dem die damalige pakistanische Regierung beschloss, Urdu, das nur von 3% der Bevölkerung die Muttersprache war, zur alleinigen Amtssprache zu erheben. Bei Protesten gegen diesen Beschluss wurde am 21. Februar das Feuer auf Demonstranten eröffnet. Auf Antrag von Bangladesch wurde dieser Tag im Jahr 2000 zum Internationalen Tag der Muttersprache ernannt.

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Wahl zwischen Skylla und Charybdis

Die Odyssee in der Sprache des 21. Jahrhunderts  

Nach dem Ende des trojanischen Krieges fuhren die siegreichen griechischen Helden in die Heimat zurück. Die meisten erreichten ihr Ziel bald, aber Odysseus hatte eine lange Reise vor sich – eine Odyssee im wahrsten Sinn des Wortes.

Der Begriff „Odyssee“ wurde im 19. Jahrhundert in seiner ursprünglichen Bedeutung einer „langen und abenteuerlichen Irrfahrt“ übernommen und noch heute verwendet. Odysseus‘ Irrfahrt dauerte zehn Jahre. Acht davon verbrachte er in den Grotten von Zauberinnen und Nymphen und während der beiden anderen Jahre bestand er so manch gefährliches Abenteuer. Zwei davon haben ihre sprachlichen Spuren hinterlassen:

1. Sirenen:

Wir kennen Sirenen seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts als Alarm- und Signaleinrichtung mit an- und abschwellenden Tönen, die bei Gefahr ertönt und die Bevölkerung warnen soll. Das läuft der Herkunft des Wortes zuwider, denn es waren die Sirenen selbst, von denen in der griechischen Mythologie die Gefahr ausging. Die Sirenen waren Frauen mit Vogelleibern, die Seeleute durch ihren betörend schönen Gesang anlockten, um ihnen das Blut auszusaugen und sie so zu töten. Odysseus fuhr an ihrer Insel vorbei: an den Mast gefesselt hörte er ihren Gesang und überlebte, weil die Fesseln ihn daran hinderten, sich ihnen zu nähern.

2. Wahl zwischen Skylla und Charybdis:

Wer die Wahl zwischen Skylla und Charybdis hat, steht vor keiner erfreulichen und schon gar nicht vor einer leichten Entscheidung, denn beide Möglichkeiten bergen Ungeheuer: Skylla war in der griechischen Mythologie eine in ein Monster verwandelte Nymphe mit sechs Köpfen, einer dreifachen Reihe Zähne in jedem Maul und zwölf Füßen. Ihre Höhle befand sich gegenüber dem tödlichen Strudel der Charybdis, ebenfalls ein Ungeheuer, in der Meerenge von Messina.Wie man sieht, sind beide Alternativen äußerst abschreckend. Odysseus entschied sich übrigens bei der ersten Fahrt durch die Meerenge dafür, näher an Skylla vorbeizufahren und verlor viele seiner Gefährten. Weil er ein besonderer Pechvogel war, musste er ein zweites Mal die Meerenge passieren und lernte auch die zweite Alternative, Charybdis, kennen.

 

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Vom blauen Mond bis zum blauen Wunder

Die Farben des Wunderlandes: Blau    

Blau zählt zu den „kalten“ Farben und trotzdem steht sie in der Literatur und in der bildenden Kunst für Ferne und Sehnsucht. Im 19. Jahrhundert erlangte das Motiv der blauen Blume als Sinnbild der Suche nach Erfüllung große literarische Bedeutung und steht heute noch für den Inbegriff der Sehnsucht und der Liebe. Um ihre Wichtigkeit auch im Wunderland zu unterstreichen, soll ihr in Kürze ein eigener Artikel gewidmet werden. 

Der Begriff „blauer Mond“ (übrigens durchaus auch eine literarische Blüte der Astronomie!!!) steht für einen zweiten Vollmond innerhalb eines Monats und gilt im übertragenen Sinn als seltenes Ereignis. Zudem gibt es zahlreiche idiomatische Wendungen, die sich dieser Farbe bedienen: 

  • einmal blau machen
  • blauäugig sein
  • das Blaue vom Himmel herunter versprechen
  • sich grün und blau ärgern
  • blaues Blut in den Adern haben
  • ins Blaue fahren
  • blau sein
  • blauen Dunst vormachen
  • mit einem blauen Auge davonkommen
  • blauer Montag
  • die blaue Stunde (Dämmerstunde)
  • ins Blaue hinein gehen
  • ein blaues Wunder erleben

Und zu guter Letzt: Rainer Maria Rilke widmete der der blauen Farbe im folgenden Gedicht einige wahrhaft wunderbare Zeilen: 


Blaue Hortensie
 
So wie das letzte Grün in Farbentiegeln

sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln. 

Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau; 

Verwaschenes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.

 Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.

 

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"Literarische Blüten" in der Astronomie

Der Mond zwischen Wissenschaft und Dichtung

Der Mond treibt nicht nur Dichter und Schriftsteller zu literarischen Höchstleistungen, sondern auch Vertreter der Naturwissenschaften wie etwa nun geschehen bei zwei niederländischen Wissenschaftlern: der Physiker Rob de Meijer und der Petrologe Wim van Westrenen haben eine Theorie zur Entstehung unseres Erdtrabanten wiederbelebt und meinen, der Mond sei gar kein Fusionsprodukt infolge einer Kollision, sondern schlicht eine „planetare Knospe der Erde“.

Bei solch eleganten literarischen Blüten müssen selbst "anerkannte Mond-Poeten“ wie Grillparzer, Goethe, Herder und Heine vor Neid erblassen! :-)

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An der Bibliotheke einen erlesenen Wein trinken

Wortartistik vom Feinsten! 

2 Schreibende begegnen einander. Zwei hoffnungsvolle Romantiker, allerdings ein bisschen kriminell. Warum? Sie trinken an der Bibliotheke einen erlesenen Wein aus dem Stiftskeller, werden buchstäblich immer dichter und dichter, weil sie sich diesem verschrieben haben, verlassen dann die Lesbar und nehmen alle Blöcke des Kellners mit. Dieser machte einen Satz und ruft ihnen nach: „Hey, gebt mir mein Paper back! Ich ruf Zeichen, dann kommt die Polizei, das geb ich euch schriftlich. Die kommt mit der Kugel, Schreiber und nimmt euch in Klammern!“ Das gibt Schreibereien, klar, wer lässt sich schon gern papierln? Die Blattlausbuben kommen zurück und überschreiben dem Ober seine Schriftstücke. Ich komme gleich zum Punkt: Der Diebstahl wird trotzdem verbucht und blättert die beiden ganz schön auf. 

Vielen Dank an Doris, die mir diese wortartistischen Grüße geschickt hat!

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